Da wahrscheinlich niemand mehr durchblickt, über welchen Tag wir hier wann schreiben, erstmal ein kurzer Recap: am 16.09.2016 fuhren wir von Astrachan aus in das Grenzgebiet zwischen Russland und Kasachstan. Tatsächlich sollten wir Kasachstan auch erst am 23.09.2016 wieder verlassen. Das Land ist verflucht weitläufig, aber es gab auch noch andere Probleme, die uns auf unserem Weg nach Osten aufgehalten haben.

Die Einreise

Nachdem wir den russischen Posten passiert hatten fuhren wir gefühlt ein ganzes Stück durch Flachland mit einigen kleinen Flussläufen und fragten uns schon, wo denn die Einreise nach Kasachstan stattfinden soll. Tatsächlich gab es sogar kleine Kreuzungen, auf denen wir von unserer ebenfalls nicht sehr großen Straße hätten abfahren können. Irgendwo war auch eine große Konstruktion zu sehen, die wie ein größerer Grenzposten aussah, aber eindeutig verlassen war.

Irgendwann haben wir dann eine Brücke erreicht, auf der ein kleines Wärterhäuschen stand. Auf unserer Spur: Spurrinnen, die ungelogen mind. 30cm tief waren, eindeutig von LKWs in die Brücke eingegraben. Und ein junger kasachischer Grenzsoldat, der sich ziemlich gefreut hat, während wir irgendwie unsere Autos auf den Spurrinnen nach oben bugsiert haben. Der war unglaublich freundlich, aber natürlich konnte er kein Englisch. Von ihm haben wir jeweils ein Ticket bekommen mit einer Nummer, nach der wir dann anscheinend an der Grenze abgearbeitet werden sollten. Und außerdem wieder eine Migration-Card, auf der die persönlichen Daten einzutragen waren.

Der eigentliche Grenzposten kam dann noch ein kleines Stück später. Bei uns war es so, dass wir alle das Auto verlassen haben und dann gemeinsam erstmal die Personalien aufgenommen wurden. Danach wurde erst das Auto kontrolliert. War bei anderen Teams teilweise anders, was noch zu einigen Implikationen führen sollte. Bei der Personalkontrolle auf jeden Fall: Stempel in die Migrationskarte. 2 für jeden von uns. Sollte noch sehr wichtig werden.

U.a. wurden dann unsere Gitarren erstmals kontrolliert, erst, ob sie Waffen sind und dann, ob sie Drogen enthalten. Als das Thema durch war waren wir auch schon fast über die Grenze. Bis auf einen interessanten Punkt: wir mussten das Auto dann noch über eine seltsame Konstruktion aus irgendwelchen feuchten Matten fahren. Vermutlich Desinfektion? Hatten wir so auf jeden Fall vorher auch noch nicht gehabt.

In Kasachstan

Und damit waren wir drin im größten Binnenstaat der Erde. Kasachstan wartete gleich mit 3 interessanten, bisher ungesehenen Neuerungen auf: der Desinfektion an der Grenze, jede Kurve war ausgeschildert und die Straßen waren so schlecht wie noch nie. Unglaublich schlecht. Schlimmer kann es nur werden, wenn man sie absichtlich zerbombt. Die Schlaglöcher waren unglaublich tief, es gab wahnsinnig hohe Spurrinnen, einiges höher als unsere Bodenfreiheit und teilweise war die Straße richtig aufgebrochen – mit scharfen Kanten und allem drum und dran.

Tatsächlich, obwohl es bis zum Horizont geradeaus ging, kamen wir an dem Tag nichtmehr besonders weit. Wir sind nur von links nach rechts auf der Straße gekurvt, um mit im Schnitt 15km/h den schlimmsten Gefahren für unser Auto auszuweichen. Irgendwann haben wir auch mal die Sandpisten, die sich genau aus dem Grund neben der Straße herausgebildet haben, der eigentlichen Straße bevorzugt – war aber auch recht gruselig, da man keine Kontrolle mehr über das Auto hatte und mit der ständigen Gefahr leben musste, sich irgendwo festzufahren, sollte man zu langsam werden.

Dementsprechend fertig haben wir uns dann einfach neben der Straße auf einer Sandpiste einen Schlafplatz gesucht. Zusammen mit den Grenzgängern noch schön gekocht. Als wir uns dann aufs Ohr hauen wollten (mittlerweile hatten wir festgestellt, dass die Piste neben der schlechten Piste, trotz ihres Zustandes, ein wichtiger Zubringer für einen kleinen Ort war) kam noch ein Lada Niva mit 4 Jugendlichen angefahren, die wollten ein Foto mit uns schießen und sind danach relativ schnell wieder abgedampft. Ab Kasachstan waren wir cool^^, sowas sollte noch öfters passieren.

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Ein kleines Highlight auf der weiteren Huckelpiste Richtung Atyrau am nächsten Tag waren noch weitere Kamele sowie diverse nette Förderanlagen für Erdgas oder was auch immer. Wirklich schön wars nicht, aber sehr flach und mal was neues.

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Darüber hinaus haben wir irgendwann am Horizont einen ganz dubiosen Ort entdeckt, mit dem wir nichts anfangen konnten. Irgendwann haben wir festgestellt, dass es sich vermutlich um einen Friedhof handelt. Dieser Stil, den Toten Häuser zu bauen, hat sich dann auch noch durch größere Teile Kirgisistans und Tadschikstans gehalten. Ziemlich interessant.

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Ab Atyrau

In Atyrau haben wir dann endlich die Karachokmbo getroffen. Die hatten an einer Tankstelle auf uns gewartet – und sind dabei auch dem Team FRank aufgefallen, die durch Zufall genau an der selben Stelle durch die Stadt gefahren sind. Wir haben uns dann mit den Grenzgängern in einem Burgerrestaurant notversorgt (es sind sehr lange 360km von Astrachan nach Atyrau). Besonders skurril war dort ein Bild von einer Schildkröte, die als Burger hergemacht war – mit Salatblättern und Tomaten, die unter ihrem Panzer hervorquollen.

Danach Wegplannung. Die Grenzgänger hatten die Info, dass die Strecke über Uralsk in deutlich besserem Zustand ist als der kurze Weg nach Aqtöbe und haben sofort gesagt, dass sie diesen Weg auf jeden Fall nehmen werden. Die Karachokombo hatte von ihrem indischen (Hooker-) Hostelbesitzer die Info, dass der untere Weg ganz gut geht (Dessen Kommentar „Offroad ist besser als Onroad“ sollte uns später noch im Hals stecken bleiben). Team FRank hatten genauso wie wir Lust auf Abenteuer und wollten ebenfalls unten rum. So haben wir uns dann in Atyrau aufgeteilt.

Dementsprechend ging es dann im Gespann mit Karachokombo und Team FRank an Salzseen und Kamelen vorbei gen Makat. Irgendwo sind wir dann recht zeitig von der Piste abgefahren und haben in aller Seelenruhe gekocht und genächtigt. Im übrigen u.a. auch von guten Zwiebeln, die Normen und ich Rumänien erstanden hatten… Und georgischer Salami usw.

Ein sehr gemütlicher Abend, bis auf einen recht unbändigen Wind, bei Wodka und Bier.

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