Mehr von Kasachstans Straßen

Wenn Kinder spielen sind sie gesund

Den nächsten Tag sind wir immer weiter gen Aktöbe gefahren. Irgendwann endete die akzeptable Straße an einer Baustelle. Danach wurde es richtig übel, vorallem für die Karachokombo, deren Auto komplett überladen auf der Hinterachse sehr sehr tief lag. Wir sind dann irgendwann von der „Straße“ heruntergefahren, da es auf den hier halbwegs verfestigten Sandpisten neben dem Asphaltalptraum deutlich besser voranging. An der Stelle konnte unser knallroter Gunther dann richtig glänzen: Dank den Beiden von unsere kleine Autofarm, die uns das Auto höhergelegt hatten, sowie unserem Schlagschutz von Herberger Metallwaren, konnten wir da unglaublich gut düsen. Hat richtig Spaß gemacht und war der Moment auf der ganzen Rallye, auf dem man gemerkt hat, dass das Auto voll in seinem Element ist. Vielleicht finde ich irgendwann auch noch das Go-Pro Video dazu.

Auf jeden Fall haben wir diesen Umweg genutzt, um massig Videos und Fotos zu machen. Wir konnten ja problemlos vornweg düsen oder ggF. auch wieder aufholen. Irgendwann haben wir auch mal die Autobesatzungen durchgetauscht, damit jeder mal sein eigenes Auto bei der Fahrt fotografieren kann. War ein Heidenspaß.

Irgendwann kam uns dann ein Russe in einem komplett zugestaubten großen Geländewagen entgegen. Der hat gemeint, wir hätten keine Chance mit unseren Autos, auf dem Weg Aktöbe zu erreichen. Da die Karachos schon da zweimal gedacht hatten, sie bleiben dauerhaft liegen, sind wir dann umgekehrt gen Atyrau. Und haben ihren indischen Hookerhostelbesitzer verflucht, der den Tip für die Strecke mit dem Kommentar „Offroad ist besser als Onroad“ gegeben hatte.

Im Endeffekt haben wir durch die Aktion einen ganzen Tag verloren, hatten aber mächtig Spaß (wir, die Kombo wohl weniger :/). Ach ja, bei Team FRank hat sich bei der ganzen Sache zweimal der Auspuff gelöst, die haben das aber gewohnt professionell recht schnell fixen können. Hier mal ein paar Fotos.

Am Ende haben wir wieder irgendwo in der Nähe der Straße gezeltet und uns so langsam Richtung Uralsk vorgearbeitet.

Kasachische Straßenverhältnisse

Das verleitet mich dazu, mal die von Kasachen gegebenen Beschreibungen zur Straßenqualität unseren eigenen Erlebnissen gegenüberzustellen und eine grobe Karte zu skizzieren:

lemap

1 Hier waren wir ja schon langgefahren. Eine der schlechtesten Straßen der ganzen Reise
2 Kurz hinter Makat dann auch richtig schlecht. Laut einem kasachischem Hostelbesitzer aber problemlos passierbar. Irgendein Team hat sich hier durchgekämpft, nach Hörensagen haben sie 3 Tage gebraucht. Für uns irgendwann unpassierbar
3 Streckenabschnitt wurde uns von Kasachen als „perfekt“ beschrieben. Tatsächlich immer einige (meist zweistellige) Kilometer ok, wenn man dann langsam dösig wurde tauchten entweder Bodenwellen oder Schlaglöcher (oder Kühe, Kamele, Pferde) auf, die einem das Auto komplett aushebeln konnten. Das hat öfters mal gut gescheppert, im Dunkeln nicht zu empfehlen
4 Soweit ich mich erinnern kann etwa wie die 3, allerdings waren dann hier auch noch gelegentlich richtig gut bewaffnete/befestigte Straßensperren zusätzlich zur normalen Straßenpolizei. Hintergrund klären wir noch auf
5 Tatsächlich mal bis auf kurze Abschnitte gute Straßen
6 Hier war Katz und Maus mit der Straßenpolizei angesagt. Meist gute Straßen, aber oft auch total schlimme Beschilderung: bspws. eine über 50km lange Baustelle mit immer abwechselnd 20 und 40 km/h. Und ratet, wer an schattigen Plätzen auf Verkehrssünder gelauert hat… Auch auf unserer zweiten Passage Kasachstans konnte der Süden mit undurchsichter, zum Teil sinnfreier, aber ständig überwachter Verkehrsregelung glänzen

Ansonsten gibt es noch ein paar bemerkenswerte kleine Details zu Kasachstans großen Straßen. Als erstes: es gibt dort tatsächlich öfters mal Rastplätze. Was die insbesondere im Vergleich zu europäischen Rastplätzen auszeichnet, ist, dass eigentlich immer eine Rampe vorhanden ist, auf die man sein Auto hochfahren kann, um nach Schäden am Unterboden zu schaun. Ansonsten meistens ein Imbiss, eine schreckliche Toilette und sehr viel Stellplatz. Vielleicht noch ein paar Tiere, von verwilderten Hunden bis zu Pferden, die den Ort irgendwie auch anziehend finden.

Darüber hinaus sind die großen Straßen durchaus asphaltiert, was aber für die Zubringerstraßen zu kleineren Orten oder Nebenstraßen in Orten nicht unbedingt gilt. Dementsprechend laufen die meisten Abzweigungen von den Hautpstraßen nach 5m Asphalt als 2 Spuren im Sand weiter.

Kasachstans endlose Weiten

Da wahrscheinlich niemand mehr durchblickt, über welchen Tag wir hier wann schreiben, erstmal ein kurzer Recap: am 16.09.2016 fuhren wir von Astrachan aus in das Grenzgebiet zwischen Russland und Kasachstan. Tatsächlich sollten wir Kasachstan auch erst am 23.09.2016 wieder verlassen. Das Land ist verflucht weitläufig, aber es gab auch noch andere Probleme, die uns auf unserem Weg nach Osten aufgehalten haben.

Die Einreise

Nachdem wir den russischen Posten passiert hatten fuhren wir gefühlt ein ganzes Stück durch Flachland mit einigen kleinen Flussläufen und fragten uns schon, wo denn die Einreise nach Kasachstan stattfinden soll. Tatsächlich gab es sogar kleine Kreuzungen, auf denen wir von unserer ebenfalls nicht sehr großen Straße hätten abfahren können. Irgendwo war auch eine große Konstruktion zu sehen, die wie ein größerer Grenzposten aussah, aber eindeutig verlassen war.

Irgendwann haben wir dann eine Brücke erreicht, auf der ein kleines Wärterhäuschen stand. Auf unserer Spur: Spurrinnen, die ungelogen mind. 30cm tief waren, eindeutig von LKWs in die Brücke eingegraben. Und ein junger kasachischer Grenzsoldat, der sich ziemlich gefreut hat, während wir irgendwie unsere Autos auf den Spurrinnen nach oben bugsiert haben. Der war unglaublich freundlich, aber natürlich konnte er kein Englisch. Von ihm haben wir jeweils ein Ticket bekommen mit einer Nummer, nach der wir dann anscheinend an der Grenze abgearbeitet werden sollten. Und außerdem wieder eine Migration-Card, auf der die persönlichen Daten einzutragen waren.

Der eigentliche Grenzposten kam dann noch ein kleines Stück später. Bei uns war es so, dass wir alle das Auto verlassen haben und dann gemeinsam erstmal die Personalien aufgenommen wurden. Danach wurde erst das Auto kontrolliert. War bei anderen Teams teilweise anders, was noch zu einigen Implikationen führen sollte. Bei der Personalkontrolle auf jeden Fall: Stempel in die Migrationskarte. 2 für jeden von uns. Sollte noch sehr wichtig werden.

U.a. wurden dann unsere Gitarren erstmals kontrolliert, erst, ob sie Waffen sind und dann, ob sie Drogen enthalten. Als das Thema durch war waren wir auch schon fast über die Grenze. Bis auf einen interessanten Punkt: wir mussten das Auto dann noch über eine seltsame Konstruktion aus irgendwelchen feuchten Matten fahren. Vermutlich Desinfektion? Hatten wir so auf jeden Fall vorher auch noch nicht gehabt.

In Kasachstan

Und damit waren wir drin im größten Binnenstaat der Erde. Kasachstan wartete gleich mit 3 interessanten, bisher ungesehenen Neuerungen auf: der Desinfektion an der Grenze, jede Kurve war ausgeschildert und die Straßen waren so schlecht wie noch nie. Unglaublich schlecht. Schlimmer kann es nur werden, wenn man sie absichtlich zerbombt. Die Schlaglöcher waren unglaublich tief, es gab wahnsinnig hohe Spurrinnen, einiges höher als unsere Bodenfreiheit und teilweise war die Straße richtig aufgebrochen – mit scharfen Kanten und allem drum und dran.

Tatsächlich, obwohl es bis zum Horizont geradeaus ging, kamen wir an dem Tag nichtmehr besonders weit. Wir sind nur von links nach rechts auf der Straße gekurvt, um mit im Schnitt 15km/h den schlimmsten Gefahren für unser Auto auszuweichen. Irgendwann haben wir auch mal die Sandpisten, die sich genau aus dem Grund neben der Straße herausgebildet haben, der eigentlichen Straße bevorzugt – war aber auch recht gruselig, da man keine Kontrolle mehr über das Auto hatte und mit der ständigen Gefahr leben musste, sich irgendwo festzufahren, sollte man zu langsam werden.

Dementsprechend fertig haben wir uns dann einfach neben der Straße auf einer Sandpiste einen Schlafplatz gesucht. Zusammen mit den Grenzgängern noch schön gekocht. Als wir uns dann aufs Ohr hauen wollten (mittlerweile hatten wir festgestellt, dass die Piste neben der schlechten Piste, trotz ihres Zustandes, ein wichtiger Zubringer für einen kleinen Ort war) kam noch ein Lada Niva mit 4 Jugendlichen angefahren, die wollten ein Foto mit uns schießen und sind danach relativ schnell wieder abgedampft. Ab Kasachstan waren wir cool^^, sowas sollte noch öfters passieren.

_mg_0230-1-2

Ein kleines Highlight auf der weiteren Huckelpiste Richtung Atyrau am nächsten Tag waren noch weitere Kamele sowie diverse nette Förderanlagen für Erdgas oder was auch immer. Wirklich schön wars nicht, aber sehr flach und mal was neues.

_mg_0266-1-2

Darüber hinaus haben wir irgendwann am Horizont einen ganz dubiosen Ort entdeckt, mit dem wir nichts anfangen konnten. Irgendwann haben wir festgestellt, dass es sich vermutlich um einen Friedhof handelt. Dieser Stil, den Toten Häuser zu bauen, hat sich dann auch noch durch größere Teile Kirgisistans und Tadschikstans gehalten. Ziemlich interessant.

_mg_0284-1-2

Ab Atyrau

In Atyrau haben wir dann endlich die Karachokmbo getroffen. Die hatten an einer Tankstelle auf uns gewartet – und sind dabei auch dem Team FRank aufgefallen, die durch Zufall genau an der selben Stelle durch die Stadt gefahren sind. Wir haben uns dann mit den Grenzgängern in einem Burgerrestaurant notversorgt (es sind sehr lange 360km von Astrachan nach Atyrau). Besonders skurril war dort ein Bild von einer Schildkröte, die als Burger hergemacht war – mit Salatblättern und Tomaten, die unter ihrem Panzer hervorquollen.

Danach Wegplannung. Die Grenzgänger hatten die Info, dass die Strecke über Uralsk in deutlich besserem Zustand ist als der kurze Weg nach Aqtöbe und haben sofort gesagt, dass sie diesen Weg auf jeden Fall nehmen werden. Die Karachokombo hatte von ihrem indischen (Hooker-) Hostelbesitzer die Info, dass der untere Weg ganz gut geht (Dessen Kommentar „Offroad ist besser als Onroad“ sollte uns später noch im Hals stecken bleiben). Team FRank hatten genauso wie wir Lust auf Abenteuer und wollten ebenfalls unten rum. So haben wir uns dann in Atyrau aufgeteilt.

Dementsprechend ging es dann im Gespann mit Karachokombo und Team FRank an Salzseen und Kamelen vorbei gen Makat. Irgendwo sind wir dann recht zeitig von der Piste abgefahren und haben in aller Seelenruhe gekocht und genächtigt. Im übrigen u.a. auch von guten Zwiebeln, die Normen und ich Rumänien erstanden hatten… Und georgischer Salami usw.

Ein sehr gemütlicher Abend, bis auf einen recht unbändigen Wind, bei Wodka und Bier.

_mg_0474-1-6

Russland – oder willkommen in Absurdistan

Unser erster Abend in Russland hat das ganz klare Potential, das absurdeste Erlebnis der gesamten Reise zu sein. Aber eins nach dem anderen:

Einreise

Vor der russischen Grenze war eine ewig lange Schlange. Wunderbare Umgebung, gestresste Russen und wir. Tatsächlich wollten wir dann die Zeit nutzen und auf unseren Autos die Zelte trocknen – da wir deshalb nicht so schnell aufholen konnten, wenn es denn mal vorwärts ging, verleitete das irgendwelche Russen zu wilden Überholmanövern. Je älter der noch junge Tag wurde desto aggressiver wurden die – und wir dann irgendwann auch, weils uns echt gereicht hat.

Einer der Höhepunkte des Ganzen war beispielsweise ein schwarzer SUV (was sonst), der mit vollem Tempo an der gesamten Schlange vorbeigerast ist – ein paar Sekunden später die ziemlich angefixte russische Grenzpolizei mit Blaulicht und Sirene mit vollem Tempo hinterher, um ihn abzufangen. Das gab mitunter fast Gerangel unter allen Beteiligten. Ansonsten hat uns ein netter LKW-Fahrer Kaffee gekocht, weil er irgendwas von den Grenzgängern geschenkt bekommen hat, wir haben unser erstes vollausgestattetes MG-Schützennest gesehen und irgendwann meinte auch mal jemand einen Schuss gehört zu haben.

Vor der Grenze sind wir dann zum ersten Mal mit Migrationskarten konfrontiert wurden: kleine, unscheinbare Papierstücke, auf denen man seine persönlichen Daten vor der Grenze niederschreiben musste. Und unglaublich wichtig, wie wir dann in Kasachstan noch lernen sollten.

Nachdem man dann unser Gepäck kontrolliert und Normens Haare bestaunt hat wurden wir freundlicherweise darauf hingewiesen, dass wir für unser Auto noch ein Temporary Import Document ausfüllen müssen – wir hätten die Grenze auch problemlos ohne passieren können, dann hätten wir aber ordentlich Probleme bei der Ausreise und im Land bekommen.

Das Dokument hat uns dann, und das auch nur aufgrund der Kulanz einer sehr netten russischen Grenzerin, das Ganze für 7 Autos auszufüllen, nochmal 1,5h gekostet. Insgesamt mit allem hat uns die Grenze 6,5h gekostet. Und jetzt war es spät.

Verfranzt in Russland
Irgendwo in Stawropol
Irgendwo in Wladikawkas

Wir waren also nach Russland eingereist, in die berüchtigten autonomen Teilrepubliken im Nordkaukasus, die vor Reisewarnungen nur so strotzen. Und haben uns gleich in der ersten Stadt (Wladikawkas) verfahren und die Grenzgänger verloren. Das Schöne: sobald wir irgendwo hielten wollten uns alle helfen, trotz der Tatsache, das wir in dem Moment über 10 Mann waren wollte man uns sogar zu Kaffee oder Tee einladen. Am Ende hatten wir nach einmal Anhalten 3 Wegbeschreibungen und einen Wolga, der uns aus der Stadt raus und auf die richtige Straße gelotst hat. Super.

Außerdem wurden wir hier zum ersten Mal gleich nach der Grenze von der berüchtigten Straßenpolizei kontrolliert. Die Jungs stehen (meist alleine) am Straßenrand und winken alles, was interessant aussieht, mit einem lustigen Leuchtschlagknüppel raus. Wir hatten bisher keine Probleme mit denen, aber das war, auf alle Rallyeteilnehmer betrachtet, nicht unbedingt die Regel.

Eine ungemeine Verstrickung von Zufällen

Nach der Stadt haben wir dann auch glücklicherweise die Grenzgänger auf der Autobahn wiedergetroffen. Mittlerweile dämmerte es und wir hatten noch etliche hunderte Kilometer vor uns, um irgendwie aus den dubiosen Teilen des Nordkaukasus herauszukommen. Und waren alle recht fertig.

Dementsprechend sind wir dann von der Autobahn abgefahren und haben am Straßenrand eine Krisensitzung abhalten wollen. Zufall Nummer 1 war, dass in dem Moment ein großer schwarzer BMW (ohne Stoßstange hinten ;)) hielt. Zufall Nummer 2: genau in dem Moment kam auch noch ein weiteres Team, nämlich Team Bodenwelle, die selbe Abfahrt runtergefahren. Die hatten Arno dabei, der fließend russisch spricht und uns schon an der Grenze sehr geholfen hat. Allerdings waren wir von dort aus getrennt gereist.

Und was dann passiert ist …

ist unglaublich – so oder so ähnlich muss man das jetzt glaube ich tatsächlich mal überschreiben. Wie Arno klären konnte saß im schwarzen BMW wohl ein russischer Polizist in Zivil – der ziemlich angesenkelt davon war, dass wir da am Straßenrand halten, aber meinte, wir könnten auf dem Acker hinter uns übernachten. Und Bier und Vodka wollte er uns ebenfalls besorgen.

Wir haben also eine Wagenburg auf dem Feld aufgebaut, irgendwer ist mit Bier holen gefahren. Am Ende stand dann ein Polizei-Geländewagen neben unserer Burg, vollbewaffnete Polizisten mit AK’s und Pistolen und so. Die wollten Saufen … Also genau genommen 3 von Ihnen, 2 niedrigeren Ranges waren als Aufpasser abgestellt.

Wir haben uns also tierisch betrunken, mit russischen Polizisten, zu russischen Spezialitäten, zum Teil auf Kosten der Polizisten, in einer Gegend, in der auch die Polizei nicht unbedingt den besten Ruf hat. Das wurde unendlich wild. Ein Polizist war am Ende so betrunken, dass er nichtmehr alleine aufstehen konnte, einer hat alles in Grund und Boden getanzt (Team Bodenwelle hatte eine ziemliche Musikanlage dabei, wir hatten russische Popmusik von den Polizisten laufen) und einer hat erzählt, dass er in Deutschland eine Frau mit zwei Kindern und in Russland eine Frau mit einem Kind hat. Nebenher wurden wir mit dem nordkaukasischen Trinkritual, Vodka und Bier im Mund zu mischen, vertraut gemacht. Und alle haben getanzt und mit den Waffen gespielt :S

Ich schieb jetzt mal ein unscharfes Beweisfoto zwischen, russischer Polizist beim Tanzen:
_mg_0131-1-2

Andere Fotos, die noch bei anderen Teams liegen, zeigen bspws. Normen (gibts noch von mehr Leuten) oberkörperfrei mit vollgeladener AK beim Posen, uns alle mit den Polizisten und Waffen, usw.. Einige von uns sollten wohl auch mit den Waffen schießen, haben das aber aufgrund ihres Zustandes abgelehnt. Auch hat es bspws. Ronny von den Heavy Metals geschafft, im Tausch für ein T-Shirt eine Dienstwaffe geschenkt zu bekommen. Die hat er zum Glück in einem hellen Moment ein paar Minuten später dankend wieder zurückgegeben.

Außerdem wissen wir jetzt, das alle Vorurteile zum Thema Rammstein und Russen wahr sind. Darüber hinaus stört es russische Polizisten anscheinend nicht, betrunken zivil Auto zu fahren – und dabei andere russische Polizisten, die sie herauswinken wollen, vollzupöbeln. Beobachtung anderer Teams, die mit Bier holen waren. Die Jungs wissen, dass sie einen Freifahrschein in ihrem eigenen Bezirk haben und leben das anscheinend auch voll aus …

Als der Abend dann langsam ausgeklungen ist sollten die nüchternen Polizisten uns noch die restliche Nacht Schutz geben und um unsere Burg mit ihren AKs patroulieren. Am Ende wurde das Ganze dann soweit aufgeweicht, dass sie nur alle halbe Stunde bei uns auf Streife vorbeifahren sollten.

Darüber hinaus hat Team Bodenwelle noch eine Telefonnummer bekommen: eine Art Schutzbrief, falls wir die nächsten 450km angehalten werden sollten und Probleme wegen Restalkohol bekommen. Wer weiß, ob die funktioniert hätte. Probieren mussten wirs zum Glück nicht.

Und das alles wie gesagt in einer Gegend, in der auch die Polizei einen fragwürdigen Ruf hat…

Der nächste Morgen

_mg_0152-1-2

… war für die meisten von uns ein Graus. Tatsächlich hatte ich mich, zusammen mit Lukas von den Grenzgängern, am Vorabend etwas zurückgenommen, weil wir aus verschiedenen Gründen vorwärts kommen wollten. Normen und ich wollten die Karacho-Kombo treffen, die schon in Astrachan auf uns warteten und die wir u.a. wegen dem Unfall und der längeren Strecke schon zwei Tage hatten vertrösten müssen. Die Grenzgänger wollten möglichst schnell Kirgisistan erreichen und dabei nach Möglichkeit das Team Purple Power einholen. Jeder hatte so seine Verpflichtungen.

Die Panzertapeladies hatten sich am Vortag dazu entschieden, dass es keine Lösung ist, dass wir sie weiter mitnehmen. Tatsächlich war es insbesondere auch für sie eine große Belastung gewesen, da ihre Sachen auf 2 Autos verteilt waren und sie in keiner Hinsicht mehr selbstständig agieren konnten. Sie hatten dann, im Rausch der Stunde, den Plan gefasst, stattdessen nach Tadschikistan vorzufliegen und zu schauen, ob sie uns von dort durch den Pamir entgegenreisen können.

Durch Russland

Dementsprechend starteten wir früh und trennten uns wieder vom Rest, der zumindest diesen Tag etwas langsamer anging. Im Auto musste ich dann feststellen, dass es sich doch etwas schwammig fuhr. Ich hatte mich wohl etwas zu wenig zurückgehalten, aber zum Umkehren war es zu spät.

Nun muss man dazu sagen, dass wir schon wussten, dass man in diesem Gebiet ständig kontrolliert wird. Dementsprechend hatte ich unglaublichs Muffensausen wegen meinem offensichtlichem Restalkohol, hab pure Zahnpasta gegessen und weiß der Kuckuck. Als wir dann auch nach wenigen Kilometern schon die erste Straßensperre erreicht haben dachte ich, jetzt ist alles zu spät. Etliche Polizisten und schwer bewaffnete Militärs, dazu irgendwelche Schwarzuniformierten. Als wir dann natürlich angehalten wurden kam einer der Schwarzuniformierten auf uns zu und sprach uns an.

Alles was er wollte: „How are you?“ Ich, völlig entsetzt: „Fine, thanks!“ Darauf hin meinte er mit einem Grinsen (ob er unsere Vorgeschichte kannte?), worauf ich warte , und, dass wir weiterfahren sollen…

Danach war ich eigtl. relativ nüchtern. Wir wurden ständig angehalten und mussten uns auch mehrfach an kleinen innerrussischen Grenzen registrieren. Aber alles problemlos. Wenn ihr wissen wollt, wie die Leute dort aussahen: startet mal ein Computerspiel wie Metro 2033 oder Stalker. Teilweise Sturmhaube, große Magazine, jede Form von AK die jemals gebaut wurde, teilweise auch mit Laserzielhilfen oder was auch immer. Irgendwo bilde ich mir auch ein mal was mit Schrot gesehen zu haben. Dazu dann immer Polizisten in schicken, ziemlich russischen Uniformen. Fotografiert haben wir die Guten aber aus naheliegenden Gründen nicht.

Auf jeden Fall war das Dauerzustand. Aber wie gesagt hatten wir nie Probleme. Allerdings: das besagte Team Bodenwelle, das ja hier auch schon eine Rolle gespielt hat, ist auf dem Weg durch Russland und Kasachstan 400$ Schmiergeld losgeworden. Ich weiß nicht, was die anders gemacht haben als wir, aber gut. Es kann offensichtlich auch anders laufen. Vielleicht, wenn man russisch beherrscht und versteht, was die Polizisten von einem wollen.

Abschied

Die Panzertapeladies wollten uns möglichst wenig Probleme bereiten und hatten sich einen Flugplatz herausgesucht, der direkt auf unserer Route lag. Natürlich mussten sie dann zum zweiten Mal ihre ganzen Sachen aussortieren, echt bitter. Und wir haben auch noch davon profitiert :/ : man hat uns bspws. Werkzeug geschenkt und alles, was sonst so weg musste. An und für sich nichts Falsches, aber man fühlt sich richtig schlecht dabei. Die 3 sind dann dort geblieben, um auf ihren Flieger gen Duschanbe zu warten. Gut, dass sie so zumindest noch Tadschikistan sehen konnten und nicht alles umsonst war!

Elista

Eine dubiose Stadt, in der wir in der Nacht angekommen sind und von der wir nicht viel wissen. Allerdings: alles ist sehr asiatisch! In einem Hotel, in dem wir abgewiesen wurden (voll?) hing eine Uhr mit Tokiozeit, selbst vor dem Polizeiquartier standen kleine japanische Vordächer. Und massiv große deutsche Autos.

Untergekommen sind wir in einem seltsamen alten Hotel, wir hatten ein 10-Mann Zimmer zu viert. Von vorne hat der Laden wild in wechselnden Farben geleuchtet, bei Tag sah es auch nicht besonder aus. Wäsche gewaschen und ja. Viel zu erwähnen gibt es nicht. Wir waren dann noch Abendessen und Bier trinken. Dabei ist uns ein Jugendlicher über den Weg gelaufen, der sich mit uns unterhalten hat, ständig Hitlergruß gemacht hat und uns irgendwann auch Gras verkaufen wollte (Bob Marley, you understand? Bob Marley!). Mehr fällt mir zu der Stadt nichtmehr ein…

Durch die Steppe

Die Landschaft wurde dann am nächsten Tag immer flacher, genau genommen das flachste Land, was wir bis dato gesehen haben. Irgendwo liefen auch mal ein paar Kamele herum.
_mg_0174-1-2

Von Astrachan zur Grenze

Spätestens in Astrachan wurde es dann problematisch mit der Navigation. Viele Wegweiser gab es in den Städten nicht und Astrachan selbst ist in viele kleine Inseln zerklüftet, die durch die einzelnen Arme der Wolga getrennt sind. Dementsprechend sind wir massiv in Sackgassen hineingefahren. Bemerkenswert war ein kleiner Zwischenstop zum Tanken, bei dem vielleicht 20m neben der Tankstelle ein kleines Buschfeuer vor sich hin gebrannt hat. Hat aber die Einheimischen nicht weiter gejuckt, dementsprechend haben wir uns dann auch nicht weiter drum gekümmert.
_mg_0225-1-2

Irgendwo bei Burgerking (da gibts Wifi, sehr wichtig, wenn man kein mobiles Internet hat!) konnten sich die Grenzgänger dann eine Stadtkarte herunterladen, während wir draußen eine Wegbeschreibung von einem russischen Kriegsveteranen ohne Beine bekamen. Der fuhr im Rollstuhl auf der Hauptverkehrsstraße herum und hat so einige Rubel von vorbeifahrenden Autos bekommen. Und etwas seltsam reagiert, als er verstanden hat, dass wir nach Kasachstan wollen: als wollte er uns viel Glück wünschen, weil das eine gefährliche und schwere Sache ist.

Am Ende sind wir auch auf der richtigen, sehr kleinen Straße gelandet. Durch die hinterletzte russische Provinz, wir waren uns oft nicht sicher, ob wir da richtig sind. Höhepunkt war eine Pontonbrücke mitten im Nichts, die wir für eine kleine Maut passieren durften/konnten/mussten.

Die Grenze selbst war recht unkompliziert. Ein relativ kleiner Posten im Nichts, eine rein mechanische Barriere, die uns die Reifen zerstochen hätte, wenn wir einfach durchgefahren wären, ein wenig Wellblech usw. drum rum. Viel mit Technik war da nicht, so wie man das von größeren Grenzen kennt. Und dann waren wir im Niemandsland.

Der Unfall

Georgien, dritter Tag

Wir fuhren nach der regnerischen Nacht in aller Frühe los, um möglichst gegen 8 die georgisch-russische Grenze im Kaukasus zu erreichen. Nachdem wir bisher den kleinen Kaukasus schon als ganzschön groß und hoch empfunden hatten war das nochmal eine ganz neue Kategorie. Allerdings haben wir aufgrund von dichtem Nebel nur erahnen können, dass es neben uns viele hunderte Meter in die Tiefe geht.

Natürlich wollten wir auch vorwärts kommen und mussten immer wieder LKWs überholen, die in Schrittgeschwindigkeit die Serpentinen erklommen haben. In unserer Kolonne fuhren die Grenzgänger in straffem Tempo vorweg, die Panzertapeladies in ihrem Astra scharf hinterher. Wir haben an den Bergen alles aus unserem Micra herausgeholt, mussten aber selbst dann eine Spur geschmeidiger reisen als unsere Gefährten.

Irgendwo kurz vor dem höchsten Punkt der Straße ist es dann passiert: die Grenzgänger waren schon weiter, wir hingen 3 LKWs hinterher. Und die Panzertapeladies haben bei einem Überholmanöver an einer Kurve aufgrund der nassen Fahrbahn die Bodenhaftung verloren, sind gegen einen Begrenzer gerutscht und haben sich dann 1,5 mal seitlich überschlagen.

Wir sind heilfroh, dass keine von den 3en wirklich verletzt wurde. Und das sich die etlichen Butandosen vom Kocher oder der Tank nicht entzündet haben. Als wir 10 Sekunden später um die Kurve kamen lag da ein rauchendes Auto auf dem Kopf, die 3 waren schon zum Teil herausgeklettert. Eine ganze Reihe Leute haben sich gefunden, die geholfen haben.

Enorme Hilfsbereitschaft

Wir haben uns dann aufgeteilt. Die Grenzgänger haben zusammen mit Kerstin von den Mädels, die trotz allem sehr gefasst war, das Auto ausgeräumt und alles an einem nahegelegenen Straßenstand untergebracht. Dort durften wir netterweise eine Abstellbude des georgischen Händlers nutzen. Normen und ich sind in den nächsten Ort gefahren, um die Polizei zu verständigen. Wir haben da dann auch einen älteren Polizisten wecken können, der uns dann aber nach einigem Hin und Her mit Telefonübersetzer usw. (Wir redeten von einem Unfall – aber wir hatten ja ein intaktes Auto!? Den Zusammenhang haben wir nicht über die Sprachbarriere tragen können) unwirsch weggeschickt hat.

An der Unfallstelle war mittlerweile das Auto unter Beihilfe zahlreicher Russen wieder aufgerichtet worden. Vorallem ein aserbaidschanicher Pilot hat sich allerdings als Helfer in der Not hervorgetan: er konnte halbwegs Englisch, außerdem Russisch, und fungierte so als Übersetzer, Organisator und Helfer. Tatsächlich war er eigtl. auf dem Weg nach Tiflis, um seine beiden kranken Kinder dort zu versorgen: eins mit Down-Syndrom und 40 Fieber und das andere mit irgendeinem fiesen Stich. Möglicherweise ist die Versorgung und Aufklärung über Behinderungen in Aserbaidschan noch nicht so weit wie in Georgien!? Auf jeden Fall hat sich dieser Mann um die 6h ungeachtet seiner eigenen Probleme für uns eingesetzt.

Während Kerstin dann mit dem Piloten losgefahren ist, um einen Abschlepper zu besorgen, hat der Rest in einem nahegelegenen Tunnel unsere gesamte Ladung aussortiert. Sowohl Grenzgänger als auch Panzertapeladies haben enorm viel weggeschmissen, um genug Platz für 7 Mann in 2 Autos zu schaffen. War ein richtig bitterer Moment. Wir konnten recht wenig einsparen, einerseits hatten wir weniger Redundanz und andererseits die doppelte Reisezeit, für die unser Kram reichen musste. Hauptsächlich die Gitarren hätten wir liegen lassen können, aber das haben wir nicht über uns gebracht.

Der Plan war, dass wir möglichst viel Gepäck übernehmen und sich die anderen 5 Mann die weitere Reise in den Astra der Grenzgänger quetschen. Eine sehr unangenehme Lösung, aber wir hatten auch keine Rückbank im Auto, so dass wir nur Ladekapazität anbieten konnten… Als dann der Abschlepper kam haben wir alles verstaut und sind die Berge wieder heruntergefahren. Das krasse: der Astra verlor zwar Öl, ließ sich aber noch starten und lenken, Dachgepäckträger war auch noch heil. Für 300€ und mit 2 Wochen Zeit wollte der Abschlepper das Auto wieder herrichten, oder es für 100€ kaufen.

Autoverwertung

Und damit ging der Stress dann richtig los: Wie verkauft man ein Auto in Georgien so, dass der Zoll und die Polizei mitspielt? Der Aserbaidschaner hatte mittlerweile 200€ geboten, der Abschlepper wollte es auch kaufen. Und die Panzertapeladies wollten mit ihren Pässen, in die ein Auto gestempelt war, wieder ausreisen können.

_mg_0029-1-2

Nach viel Telefoniererei mit den Rallyeorganisatoren (gab ja auch noch 500€ Kaution auf das Auto) sowie der Parvina von Caritas in Tadschikistan (die bei allem immer für uns Rallyeteilnehmer eingesprungen ist, als Übersetzer und weiß der Teufel) haben wir dann die Polizei zum Abschlepper nach Hause gerufen. Hintergrund: wir hätten es gleich melden müssen (das wir das versucht hatten war wohl gegenstandslos), so war eine Strafe von 100€ fällig. Danach ist Kerstin mit dem Abschlepper nach Tiflis gefahren, um das Auto notariell beglaubigt an diesen zu verschenken – andernfalls wären noch Zollgebühren um die ich dächte 800€ fällig geworden. Auch da gab es massiv Probleme, die Beiden waren bis ins Dunkle unterwegs.

Und noch mehr Solidarität

Währenddessen haben wir einige andere Teams abgefangen, die auch die georgische Heerstraße passieren wollten. Die Solidarität war groß: als sie gehört haben, was passiert ist, waren sie ohne weiteres bereit, ebenfalls Gepäck sowie eine Person zu übernehmen. Wir haben dann erst vor der Werkstatt gekocht und etwas später ein paar hundert Meter Luftlinie weiter am Fluss ein Lager aufgeschlagen.

Zur Grenze

_mg_0074-1-2

Am nächsten Morgen sind wir dann alle zusammen zur Grenze aufgebrochen. Auf dem Weg haben wir noch ein wohl berühmtes Mosaik entdeckt, das wir am Vortag im Nebel nicht hatten sehen können. Die Landschaft war phänomenal und die Ausreise in etwa so unkompliziert wie die Einreise.

Georgien, die ersten zwei Tage

Einreise

Die Einreise nach Georgien verlief wunderbar problemlos. Sogar ohne Gepäckkontrolle, mit 2 georgischen Beamtinnen, die auf Englisch unsere Fragen zu Fahrzeugpolice und Co beantworten konnten. Kleiner Stempel in den Reisepass und alles war gut. Fahrzeugpolice: nicht notwendig. Wahnsinnig unkompliziert alles.

Hinter der Grenze dann gleich die erste typisch georgische Kirche
_mg_0300-1-3

Ansonsten haben wir gleich ein paar Kilometer weiter unsere Autos unter Palmen geparkt und uns am Strand ins Wasser geschmissen

Am Strand war dem Augenschein nach primär russisches Badepublikum unterwegs. Gelegentlich ein Georgier oder eine georgische Babushka, die Erfrischungen verkauft hat. Und dubiose Menschen, die uns entweder für die Nutzung der Liegesessel oder der Parkmöglichkeiten Geld abknüpfen wollten. Aber eine ziemliche Idylle.

Nebenher bin ich dann eingeschlafen, den Sonnenbrand bin ich über eine Woche nicht losgeworden (man hat auch versucht, mich zu wecken, war wohl zwecklos). Ansonsten haben wir uns dann nach ein paar Stunden in das Zentrum von Batumi begeben.

Batumi

In Batumi knallen Welten aufeinander. Tatsächlich ist es eine Art Boomtown, es wird dort richtig viel investiert. Die skurillsten Bauwerke erheben sich dort – und direkt dazwischen ganz eindeutig Sozialwohnungen mit ebensovielen Stockwerken wie die Hotels. Komplett kaputte Autos neben Nobelkarossen, ziemliches Chaos im Verkehr. An der Stelle begannen wir uns dann auch schon Sorgen zu machen, weil wir keine Fahrzeugpolice abgeschlossen haben. War teilweise echt übel.

Wir sind dann einen Geocache in einem (Restaurant) Turm heben gegangen, was uns einen schönen Ausblick auf Batumis weißes Haus, Kolosseumsnachbau, japanisches Schloss, Hotelneubauten von Trump und Co, Strand usw. verschafft hat:

Dort oben haben wir dann auch Milan Kuska getroffen, der als Wahlbeobachter in Georgien unterwegs ist. Er stammt aus Tschechien/Prag und musste uns dann (in perfektem Englisch) etliche Dinge zu Georgien erklären. Von ihm stammt bspws. die Info, dass einer der wichtigsten Investoren in Batumi ein gewisser Donald Trump ist. Auch meinte er, dass Georgien kurz davor steht, erstmals Veränderungen durch eine faire Wahl zu erleben – in dem Sinne müssen wir uns da nach dem Urlaub nochmal informieren, was da eigentlich passiert ist.

Der kleine Kaukasus

Wir sind dann Richtung Berge gefahren. Die Hotelneubauten verschwanden ziemlich schnell und wichen flachen Häusern, fast schon orientalisch anmutendem Chaos und Alleen. Wir fuhren, entgegen der Empfehlung (in Hinblick auf die Lebensdauer der Autos) von Herrn Kuskas, den kleinen Kaukasus hinauf. Wunderschön an einem Fluss, grüne Hänge, Kühe auf der Straße, überall Wald. Super Sache. Abends sind wir dann einen kleine steilen Weg an den Fluss heruntergefahren und haben dort gezeltet.

Auch hat sich dann ein georgischer Radler zu uns gesellt und georgische Süßigkeiten verteilt. Unter anderem hauchdünne, ledrige Scheiben in kräftigen Grün- oder Rottönen, die wie wir vermuten aus gepressten Apfel(schalen?) bestehen. Auch ein paar Tschurtschchelas wurden uns angeboten. Dabei handelt es sich um ein traditionelles georgisches Konfekt, bei dem Walnusskerne auf einem Faden aufgezogen und anschließend mit Traubensaftkonfitüre überzogen werden. Sehr lecker!

Der zweite Tag

_mg_0489-1-2

Am nächsten Morgen sind wir in einem sanften Ambiente erwacht. Die Autos wieder den Hang hochzubekommen war allerdings keine leichte Aufgabe. Die Grenzgänger haben ihren Astra irgendwann rückwärts den Hang hochbugsiert, die Panzertapeladies haben es in 2 Anläufen mit sehr viel Schwung geschafft. Bei uns gings im ersten Rutsch, da hat sich das Gewicht des Autos ausgezahlt!

Den restlichen Tag sind wir den kleinen Kaukasus erst fertig hochgekraxselt, die Straßen wurden immer staubiger und schwieriger. Auf der Spitze wieder der Versuch, einen Cache zu heben.

_mg_0749-1-2

Dann auf einer kleinen Straße durch irgendwelche Bäche, viel Staub und andere kleine Hindernisse wieder runter. Bemerkenswert: an der Stelle, an der der Weg besser wurde, wuschen gleich mehrere Leute ihr Auto. Das haben wir noch öfters erlebt: je staubiger die Wege auf dem Land, desto wichtiger war es den Leuten, ein sauberes Auto zu fahren.

Nachdem wir die Berge passiert hatten haben wir einen zweiten, sehr touristischen Ort erreicht: Achalziche. Dort gibt es eine anscheinend eine sehr schön ausgebaute Festung, uns hat in dem Moment der Umstand, dass es Eintritt kostet, abgeschreckt. Und wir haben zum ersten Mal einen der augenscheinlich nagelneuen georgischen Supermärkte besucht, mit lokalen Spezialitäten, Kaffeetheke und Wifi.

An der Stelle ein kurzes Zwischenwort zu georgischen Spezialitäten: in diesen Supermärkten durften wir georgisches Brot (Chatschapuri) kennenlernen. Eine unglaublich geniale Kraftnahrung beim Autofahren. Das ist eine Art Rundbrot mit pizzaartig erhöhtem Rand. In der Mitte ist, konsistenztechnisch ähnlich zu Quarkkuchen, Käse eingebacken. Gibt es in verschiedenen Sorten, ist lecker und stopft. Daneben gibt es verschiedene völlig geniale (da sind sie wirklich nicht zu stoppen, das geht garnicht, so gut war das) süße Brote mit Zimtgeschmack, kein bisschen trocken, manchmal mit Rosinen, wirklich unglaublich genial.

Abends haben wir dann wieder an einem Flusslauf geschlafen, wobei wir uns mit einer mittelmäßigen Planenkonstruktion zwischen den Autos vor ziemlich heftigem Regen retten mussten. Außerdem kam ein alter Mann vorbei, der sehr hilfsbereit und betrunken war und nur russisch sprach. Was er genau wollte wissen wir leider nicht, aber er war ein paar Stunden direkt bei uns mit an bzw. unter der Plane.

Türkei – very lost

In der Türkei ging so einiges schief. Der Bericht ist ein ziemlicher Roman geworden, aber was will man machen…

Grenze

Wir sind dann am 9.9 in aller Frühe in unserem bulgarischem Hotel gestartet, um möglichst weit zu kommen. Die türkische Grenze, die wir dann 1 bis 2 Stunden später erreicht haben, hat uns auch gleich gezeigt, dass der europäischen Teil unserer Reise vorbei ist: es war das erste Mal, dass wir uns an einer Grenze an 5 verschiedenen Posten jeweils mit unseren Reisepässen identifizieren und irgendwelche Fragen beantworten mussten.

Jeder der Posten schien eine andere, kleine Aufgabe zu haben: von Identifikation unserer Personen über das Checken der Fahrzeugpolice bis zur Kontrolle der eingeführten Waren. Vorallem letzteres war etwas heikel: in die Türkei darf, neben vielen anderen restriktiven Regelungen, pro Person nur maximal 1 Liter alkoholischer Getränke unter 40% eingeführt werden. Wir hatten aber 26 Bier im Auto (Devisen!)… Ist zum Glück recht glimpflich ausgegangen.

Außerdem mussten wir an der Grenze feststellen, dass wir im bulgarischen Hotel unsere Personalausweise hatten liegen lassen. Sowohl der Hotelier als auch wir hatten das schlicht und ergreifend im ganzen Hin und Her über die Bezahlung in Euro und Rückgeld in Lew vergessen, wir hatten sie am Vorabend als Pfand abgeben müssen. Da wir ab jetzt sowieso nurnoch unsere Reisepässe brauchten, blieb es zum Glück bei einem kurzen Schreckmoment.

Autobahnmaut

Nachdem wir an der Grenze ziemlich geschwitzt haben konnten wir uns dann auf wahnsinnig gut ausgebauten und komplett leeren türkischen Fernstraßen ausruhen. Nach einigen hundert Kilometern stießen wir auf die erste Mautstation, die den Eingang zur Autobahn gen Istanbul versperrte. Ein riesiges Konstrukt aus Kameras, Blitzern, und mit verschiedenen Beschilderungen, mit welchem Zahlungssystem man sich wo einordnen soll. Und komplett ohne menschliche Besatzung.

Wir haben also auf der (Einbahnstraße) Zufahrt gewendet und sind ca 30km zur letzten Tankstelle zurückgefahren, um dort nach einer Vignette oder ähnlichem zu fragen. Generell waren die Leute in der Türkei sehr hilfsbereit, konnten aber nur sehr selten Englisch oder Deutsch. Dementsprechend haben wir eine halbe Stunde an der Tankstelle versucht, per Google Übersetzer mehr Infos zu bekommen. Am Ende waren wir leider genauso schlau wie zuvor und sind einfach auf mautfreien Straßen weiter nach Istanbul gefahren.

Mittlerweile wissen wir in groben Zügen, wie das türkische Mautsystem funktioniert: es gibt zwei Systeme, eins erfordert den Einbau eines eigenen Gerätes in das Auto. Dementsprechend kommt es für Reisende wie uns nicht in Frage. Das andere System (HGS) ist eine Art Prepaid-Maut: man muss eine elektronische Vignette bei Außenstellen der (türkischen Post?) PTT kaufen. An jeder Mautstation wird dann Guthaben abgebucht, ist das Guthaben niedrig, wird man per SMS informiert.

Problem an der Geschichte: es weiß niemand darüber Bescheid, es kann einem auch niemand in der Türkei erklären. Und wir waren mittlerweile in Regionen angekommen, in denen wir 49Cent für 50kB Internetnutzung blechen mussten oder 4€ pro Minute für ein Gespräch nach Deutschland. Dementsprechend haben wir anfangs ermangelns besserer Möglichkeiten konsequent versucht, türkische Autobahnen zu umfahren, um den Mautstationen auszuweichen.

Istanbul

In den europäischen Ausläufern von Istanbul haben wir uns gegen halb 3 ein Bad im Mittelmeer gegönnt. Danach sind wir mitten in den Istanbuler Verkehr hineingefahren. Der ist wirklich übel, Autofahren ist dort beim besten Willen nicht zu empfehlen. Und vorallem ist ständig und überall Stau.

In diesem Durcheinander arbeiteten wir uns immer weiter auf die Brücken über den Bosporus zu. Wir wussten zu dem Zeitpunkt genau, dass die nicht mautfrei sind, hatten aber immernoch keine Ahnung, wie das Mautsystem funktioniert. Lediglich über den Begriff PTT waren wir schon gestolpert und hofften, die irgendwo zu finden. Am Ende standen wir gegen 6 vor der Entscheidung, einfach die Brücke zu passieren und zu schauen, was passiert, oder die letzte Abfahrt vor dem Bosporus zu nehmen und uns nochmal in Istanbul durchzufragen.

Wir wählten den Weg der Vernunft und fuhren vom Schnellstraßenstau vor der Brücke in den stadtinternen Stau. Irgendwo in der Nähe zweier Trumptower und ähnlich hoher Gebäude. Dort fragten wir an einer Tankstelle und in einem Hotel. Die Hoteliers wiederum (kein Wort Englisch) fragten eine Studentin (die konnte als erste Person in der Türkei fließend mit uns reden, auf Englisch), die uns dann etwa 1h quer durch Istanbul zum Fährhafen geführt hat. Sie hat sich echt Mühe gegeben und uns dort auch 2 Tickets für die Fähre organisiert usw..

Allerdings mussten wir mit dem Auto über den Bosporus, was sie dann leider erst in dem Moment verstanden hat. Vermutlich hat der Umstand, das jemand in Istanbul ein Auto hat und damit herumfahren möchte, nicht in ihr Weltbild gepasst. Zumindest war das auch das Credo, als sie versucht hat, von Busfahrern und Fährwärtern usw. Infos zur Brückenmaut einzuholen – keiner von denen würde privat mit dem Auto durch Istanbul fahren – und dementsprechend wusste auch keiner etwas zur Mautabrechnung auf der Brücke.

Wir sind dann also wieder zum Auto getingelt, und haben versucht per Telefon (2€ die Minute fürs angerufen werden) und an Tankstellen Infos zu bekommen. An einer Shell-Tankstelle wurden wir dann zur nächstgelegenen (5km Stau) British Petrol Tankstelle weitergeleitet. Dort konnte dankenswerterweise eine Kundin Englisch, die uns dann verkündete, dass der Tankstellenwart sagt, dass auf der Brücke ein Häuschen wäre, an dem wir bezahlen könnten. Das passte zwar nicht in unser Weltbild von einem Prepaid-Mautsystem, das wir mittlerweile dank der Telefonate hatten, war uns aber dann auch langsam völlig egal.

Wir ergriffen also den Strohhalm und fuhren gegen um 9 auf die Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke. Und konnten direkt hinter ihr wieder abfahren – ohne eine Mautstation zu passieren! Der ganze Stress umsonst?

Völlig frustriert und geschafft (wir hatten auch nichts gegessen) fuhr ich dann einfach Richtung Schwarzmeer, Normen hat sich verdient aufs Ohr gehauen, er ist den ganzen Tag bisher gefahren. Navigiert habe ich mit einem Smartphone mit kaputter Ladebuchse (ging ständig aus), 9% Akkuladestand und einem Maps.me, das in Istanbul einfach nicht richtig routen konnte (ich sollte mehrfach auf Straßen abbiegen, die durch irgendwelche Tunnel unter mir liefen). Im Dunkeln. Irgendwie wurde dann auch noch die Straße immer kleiner. Als dann am Ende noch eine Brücke in mautgrün ausgeschildert war (auf türkischen Straßenschildern sind Autobahnen grün, und die sind normalerweise mit Maut) hat es mir gereicht: U-Turn, den ganzen Weg zurück und hinter der Bosporusbrücke in die Mautstation.

Und dort war es dann endlich: ein kleines, unscheinbares Schild auf eine winzige Abbiegung direkt in der Mautstelle: PTT! Tatsächlich konnten wir dort in einem kleinen Häuschen hinter der Mautstation eine HGS-Vignette besorgen und legal auf großen Straßen Istanbul verlassen. Allerdings war trotz der späten Zeit und ungeachtet des Umstandes, dass wir mit der Autobahn auf einer mindestens 6-spurigen Straße fuhren, Stau ein immer wiederkehrendes Phänomen.

Dementsprechend unsere Bilanz: um die 11h für die Passage des Großraums Istanbul… Der große Vorteil an der Sache: wir haben Istanbul bei Nacht gesehen! Das war schon etwas beindruckend.


Unsere Vignettensammlung
Unsere Vignettensammlung

Ein Kommentar zu anderen Teams und der Maut: Wir haben natürlich im Nachhinein auch einmal rumgefragt, da ja viele andere Teams vor dem selben Problem gestanden haben wie wir. Tatsächlich haben einige Teams in etwa das Selbe erlebt, haben sich ewig durchgefragt und am Ende mit irgendwo mit Ach und Krach eine Vignette bekommen. Wenn auch oft deutlich schneller und mit weniger Stau.

Bemerkenswert ist aber, dass mind. 2 andere Teams das Ganze beinahe vorsätzlich ignoriert zu haben scheinen. Die Mautstationen müssen beim Passieren in den verrücktesten Farben geblinkt haben und eigtl. findet sich auch immer die türkische Polzei in der Nähe dieser Konstrukte. Nach Hörensagen soll nach solchen Aktionen dann das 10fache der Maut spätestens an der Grenze verlangt werden. Fakt ist aber: diese Teams wurden in keiner Hinsicht belangt…

Auf zum schwarzen Meer

Nach Istanbul: Notversorgung bei Burgerking
Nach Istanbul: Grundversorgung nachts bei Burgerking

Nachdem wir dann mitten in der Nacht noch bei Burgerking hatten essen können und einige 100km später einfach erschöpft und unter permanenter Beobachtung auf einem überfüllten türkischen Rastplatz im Auto etwa 4h geschlafen haben stellten wir den Plan auf, die türkische Schwarzmeerküste noch am selben Tag erreichen zu wollen. Dort wollten wir dann endlich vernünftig kochen und am Meer zelten.

Auf dem Weg dahin hatten wir leider immer wieder Staus. Es schien ein wenig, als wenn wir genau in eine Art Urlaubswelle hineingeraten wären, es waren viele Familien mit Kindern unterwegs. Auf jeden Fall waren die meisten Autos voll mit Menschen, für gewöhnlich fuhr ein älterer Herr.

Was man aus Deutschland überhaupt nicht kennt: Überall an der Straße wurde von Einheimischen Tee verkauft, Melonen oder einfaches Essen zubereitet. Die Leute ließen sich dann dort für Pausen nieder. Oder das Auto hielt einfach auf dem Standstreifen und eine Wagenladung Menschen setzte sich am Straßenrand zusammen, dinierte und pausierte.

Abgesehen davon gibt es nicht viel zu der Fahrt zu bemerken. Landschaftlich war es sehr schön, wir sind einmal über eine rote Ampel gefahren und wurden dabei geblitzt (aber es ist nichts passiert) und haben uns nett auf einem Rastplatz mit einem türkisch/russischen LKW-Fahrer unterhalten, obwohl die Sprachbarriere unendlich hoch war. Zum Mittag haben wir eines der vielen Rastplatzrestaurants besucht, mit frisch gekochten türkischen Gerichten an einer Selbstbedienungstheke. War absolut klasse. Und wenn man nicht, wie wir, 3 Hauptgerichte ohne Beilagen nimmt, auch echt preiswert. Dazu kostenlos türkischer Tee, der fast schon dickflüssig gewirkt hat. Richtig gut.

Die Schwarzmeerküste

Wir konnten irgendwie unseren groben Plan einhalten und erreichten in der Abenddämmerung Samsun. Leider war das recht ernüchternd, nur Industrie oder Wohngebiete. Uns blieb also nichts anderes, als weiter gen Georgien zu fahren, in der Hoffnung, dass sich irgendwo ein Schlafplatz findet. Leider blieb die Umgebung stets eng besiedelt.

Im Dunkeln sind wir dann 2 anderen Tajik-Rally Teams über den Weg gefahren: Team Grenzgänger und die Panzertapeladies. Nach kurzer Absprache stellte sich heraus, dass die mit dem selben Plan an die Küste gefahren waren und dementsprechend vor dem selben Problem standen. Wir suchten dann also gemeinsam stundenlang nach einem geeigneten Platz zum zelten. Es war alles dabei: von Polizei oder Anwohner befragen bis zu einfach auf kleine Straßen fahren: nichts hat uns irgendwie weiter gebracht. Am Ende sind wir etwas über 100km weiter gefahren, an einen Ort, an dem im Navi ein Zeltplatz eingezeichnet war. Fazit bei der Ankunft: An besagter Stelle war ein kleiner Sandstrand, eine Bar und ein großes Campen verboten – Schild.

Kurzlebige Einladung

Wir haben uns dann also gegen halb 12 einfach an besagter Stelle in die Autos gelegt. Etwa 2 Stunden später wurde ich von einem Telefongespräch wach. Die Worte Tourist und Germani fielen immer wieder, außerdem stand neben uns ein großer schwarzer SUV.

Als ich die betreffende Person dann angesprochen habe, hat der sich nur tausendmal bei mir entschuldigt, dass er mich geweckt hat… Es hat sich dann herausgestellt, dass die Leute offensichtlich (es kamen dann immer mehr) am feiern waren, sie waren auch gut betrunken. Außerdem hat mir der besagte Telefonierende auch seinen Boyfriend vorgestellt, so, dass die Vermutung naheliegt, dass wir auf eine Gruppe feiernder schwuler Türken gestoßen sind. Da war z.B. ein Schiedsrichter der türkischen Premier-League, der Sohn eines Hotelbesitzers usw. Für die Kommunikation wurden dann mitten in der Nacht Kumpels wachgeklingelt, die Deutsch konnten, und wir wurden in das Hotel eingeladen, trotz Überbuchung hätte man noch einen Raum für uns 7 klarmachen können. In dem Moment waren dann auch die Panzertapeladies und Grenzgänger wachgeworden und warfen sich mit ins Getümmel.

Die Moral von der Geschichte war, dass sich die Türken zu 6. in einen 5er BMW gequetscht haben (bei uns war leider nirgendwo Platz), um uns zum Hotel zu geleiten. Die sind dann losgerast als wäre der Behörnte hinter Ihnen her. Summa Summarum waren sie dann einfach weg, vielleicht haben sie das mit der Rallye zu ernst genommen und dachten, wir könnten schneller. Wir sind ihnen ca. 10km hinterhergefahren, haben gedreht und uns wieder gen Georgien bewegt. Die zweite durchfahrene Nacht in Folge.

Die Ausreise
DCIM100GOPRO
Morgendämmerung auf dem Weg zur Grenze

Am Morgen erreichten wir die türkische-georgische Grenze. Malerisch gelegen in den ersten Ausläufern des kleinen Kaukasus, mit Sandstrand, Chaos und viel Müll.

Die Grenzkontrolle war dann wieder auf türkische Art anstrengend, zwar weniger Posten und wir wurden auch nicht groß durchsucht, aber ein unglaubliches Durcheinander. Wir mussten uns mit LKWs um die Plätze rangeln, es war nichts einzusehen. Auch ein Highlight war ein großer Reisebus, der zwischen Türkei und Georgien liegengeblieben war, und in ewiger Arbeit wieder angekurbelt wurde. Außerdem zum Teil ziemlich ramponierte (georgische) Autos, bei denen einiges an Verkleidung fehlte oder die schlimmer qualmten als ein Kohleschlot.

Insgesamt aber alles recht problemlos. Mit Anstehen etwa 2,5h, um zur georgischen Einreise zu gelangen.

Am schwarzen Meer

Da wir am Vortag nicht besonders weit gekommen waren mussten wir mal wieder Strecke machen. Rumänien hatte uns bisher richtig gut gefallen, aber die Gegend um Bukarest hat es uns ein Stück versaut. Die blanke Tristess, blutjunge Mädchen am Straßenrand und alles komplett flach. Bukarest selbst hat sich für uns auf ein paar Plattenbauten am Horizont beschränkt.
An der bulgarischen Grenze vollzog sich dann wieder ein krasser Schnitt. Während in Rumänien gebaut wurde, neue Straßen das Bild bestimmten und Menschen oft in kleinen Villen zu leben schienen, haben wir in Bulgarien mehr alte Sovietromantik verspüren dürfen. In den meisten Gegenden schienen die Gebäude noch auszusehen, wie vor 50 Jahren, gut gepflegt abe Trist. Es gab aber auch Ecken, in denen intakte Fenster nicht zum Lebensstandart gehörten.
Außerdem gab es deutlich mehr komplett unbesiedelte Gegenden auf unserer Route, dazwischen immer mal eine große Stadt. Wir fuhren dann in die Dunkelheit hinein, um noch am schwarzen Meer anzukommen.

unbenannt

Anscheinend hatten eine ganze Reihe Teams die Idee, dort verhältnismäßig günstig in einem Hotel zu übernachten. Highlight der Reise zum Hotel: einen Laster ohne Rückscheinwerfer im Dunkeln überholen. Fahrzeit am Donnerstag: fast 12h, gehalten haben wir nur zum Tanken. Eigtl. eine sehr unangenehme Art, zu reisen. Aber wir wollen uns in Astrachan mit den Jungs von der Karachokombo treffen und gemeinsam mit den Verrückten durch Kasachstan reisen. Dafür ist das leider nötig.

Checkpoint!

Nach der Nacht unte dem Metallpavillon gings in Kollone weiter zur Checkpointparty in Viseu de Sus, mitten durch die Karpaten. Landschaftlich hat Rumänien auf jeden Fall einiges zu bieten! Auch war man uns wohlgesonnen, ständig wurden die wild beklebten Autos gegrüßt und die Leute haben sich wahnsinnig gefreut, wenn wir zurückgewunken haben.

Über das Autofahren in Rumänien lässt sich berichten, dass es uns verflucht viel Spaß macht. Man muss damit rechnen, dass man, wenn 30 ausgeschildert sind, mit 90 den Berg hochfährt und dabei von einem LKW überholt wird. Gelegentlich wird sowas dann fast etwas gefährlich, aber ansonsten ist es irgendwie kernentspannend, mal einfach nicht auf die Stvo achten zu müssen.

Die Straßen selbst sind übrigens in einem super Zustand, Huckelpisten gibts nur ab vom Schuss. Überall wird gebaut und neu gestrichen!

Die Checkpointparty war ziemlich klasse. Auf dem Parkplatz bei Viseu de Sus wurde grob vorgeglüht, dann gings mit einer alten Schmalspurdampflok ca 2,5h in die Berge zu Essen und noch mehr Palinka und Bier. Einige der Rallyeteilnehmer kamen schon sturzbetrunken beim BBQ an!

Das Ganze ging dann, zumindest für mich (Fabian) bis etwa halb 3. Aufgestanden wurde dann halb 7, da wir vor den Holzarbeitern die Eisenbahnstrecke passieren sollten. Als Zugfahrzeug für die Bahn kam ein Ford Transit zum Einsatz, den man auf Schmalspureisenbahn umgebaut hatte! Der Rückfahrt zog sich dann mit mehreren Halten bis etwa 11.

Danach sind wir gen Süden gefahren, um so weit als möglich im Hellen zu kommen. Genächtigt haben wir dann auf einem rumänischen Feldweg, auf dem wir durch Zufall auch noch das Gringos Land Racing Team getroffen haben. Die sind dann aber noch auf eine Nachtfahrt aufgebrochen, um Strecke zu machen.

Die Nacht selbst verlief ruhig, außer, dass Normen mit der Axt ein paar wilde Hunde verteiben musste. Ich selbst war dermaßen komatös, dass ich davon nichts mitbekommen habe.

Von Bratislava nach Rumänien

Eine Nacht in Bratislava! Tatsächlich scheint Bratislava ein richtig guter Ort zu sein, um lange Abende zu verbringen. Das Problem war, dass wir ziemlich am Ende unserer Kräfte waren, als wir dort ankamen. Entgegen unserer eigentlichen Police haben wir uns entschieden, ein Hostel zu nehmen. Einerseits wollten wir endlich eine Nacht gut schlafen (Schlaf war zum Ende der Vorbereitungen Mangelware geworden und auch in Hohenthann haben wir aus unerfindlichen Gründen auch schlecht geschlafen) und andererseits WLAN nutzen um einige unserer IT-Probleme zu lösen.

Leider sollte beides ziemlich in die Hose gehen. Die Internetanbindung im Hostel war, möglicherweise mit System, grottig. Das WLAN-Passwort war socialize, was wohl eher als Aufforderung gemeint war, nicht zu surfen. Unsere Nachtruhe wurde ebenfalls schwer durch 2 unserer 6 Zimmergenossen beeinträchtigt, die unbedingt ihre Zweisamkeit in einem quietschenden Hochbett genießen mussten.

Trotz alledem sind wir pünktlich um 8 mit dem Auto gestartet, um die Slowakei zu durchqueren. Bei strömendem Regen konnten wir trotz alledem eine wunderschöne Landschaft genießen.

Insgesamt sind wir wohl etwa 13h durchgefahren, durch die Slowakei und Ungarn nach Rumänien. Es gab nur 2 Stops: ein kleiner Supermarkt in der Slowakei und ein Powernap in einem ungarischen Plattenbauviertel. An der rumänischen Grenze haben wir dann durch Zufall 5 andere Teams getroffen.

Die haben wir dann leider in Rumänien wieder verloren, eigtl. wollten wir alle gemeinsam zelten. Über die Livetrackingkarte haben wir dann versucht, deren Zelplatz bei strömendem Regen und im Dunkeln zu finden. Das endete mit Ausflügen auf „Landstraßen“, die eigtl. schwerstes Geläde waren und z.T. mitten im Nichts endeten:

Wild verfahren

Schlussendlich hats dann aber geklappt und wir konnten wir in guter Gesellschaft relativ trocken unter einem Metallpavillon unser Zelt aufschlagen. Die Anderen hatte den irgendwo am Straßenrand entdeckt. Vermutlich auf dem Gelände einer Schule, aber am Ende hat sich niemand an unserem Aufenthalt dort gestört.

_MG_0031-1-3

_MG_0033-1-2

Start und erster Tag

IMG_9129-1-2
Am Samstag früh konnten wir uns dann endlich registrieren und das Auto fertig bekleben. Danach gabs Weißwurstfrühstück, einige kurze Reden von Caritas und Hänsel und Gretel sowie den Organisatoren der Rallye und ein Gewinnspiel – wer hat das abgefahrenste Auto. Die Gewinner hatten einen alten Ochsenschädel an ihrem Dachgepäckträger befestigt und 4 Geländereifen auf dem Dach… Da konnten wir so ganz nicht mithalten. Aber 6 Punkte, wenn jeder Teilnehmer Punkt verteilen darf, sind auch schonmal was.

Nach dem eigentlichen Start sind wir mehr oder weniger direkt nach Österreich gefahren, wo wir feststellen durften, dass unser die ganze Zeit ausgefallen war. Dementsprechend gibt es ein ziemliches Stück Luftlinie auf unserer Karte.
Außerdem haben wir uns den Spaß erlaubt und unser gesamtes Gepäck nochmal passend umsortiert. Das dürfte noch öfter passieren. Hauptziel war diesmal, das ganze Bier möglichst gut versteckt und tief vergraben zu verstauen.

IMG_9175-1-2

Den Abend haben wir dann gut abgebrannt in Bratislava verbracht. Eine sehr interessante Stadt, in der verschiedene Welten aufeinanderzustoßen scheinen.